Die Welt der Information in den Ingenieurwissenschaften – 10 Tipps zum Überleben
- TIPP 1: Beobachten Sie bewusst Ihr Informationsverhalten!
- TIPP 2: Nutzen Sie Tutorials, Fachportale und Literaturführer als Information über die Suche nach Informationen!
- TIPP 3: Nutzen Sie Ihre lokale wissenschaftliche Bibliothek und ziehen Sie einen Informationsspezialisten in einer Bibliothek zu Rate!
- TIPP 4: Nutzen Sie Enzyklopädien und Nachschlagewerke zur ersten Orientierung!
- TIPP 5: Spielen Sie mit Suchbegriffen und erkunden Sie die Recherchemöglichkeiten der Datenbanken (Boole‘sche Logik, Joker-Zeichen, Nachbarschafts-Operatoren, Suchfelder, ...)!
- TIPP 6: Suchen Sie Zeitschriften-Aufsätze in fachspezifischen Datenbanken!
- TIPP 7: Denken Sie auch an die Suche nach Patenten und Stoffdaten.
- TIPP 8: Bewerten Sie Ihre Recherche-Resultate hinsichtlich ihrer Relevanz aber auch hinsichtlich der Qualität der gefundenen Dokumente. Denken Sie über die Verarbeitung der gefundenen Information nach.
- TIPP 9: Halten Sie sich auf dem Laufenden durch Überfliegen der Inhaltsverzeichnisse von Fachzeitschriften, durch Subskribieren von Mailing-Listen und durch das Lesen von Weblogs.
- TIPP am Ende (10): Berücksichtigen Sie informationsethische, politsche und wirtschaftliche Aspekte von Information (geistiges Eigentum, Urheberrecht, Datenschutz, kommerzieller und freier Zugang).
- Weitere Literaturhinweise und Links
TIPP 1: Beobachten Sie bewusst Ihr Informationsverhalten!
Informationskompetenz ist eine entscheidende Schlüsselqualifikation für selbstgesteuertes Lernen im wissenschaftlichen und beruflichen Alltag. Neben der Kenntnis effizienter Recherche - und Navigationsstrategien umfasst Informationskompetenz vor allem die Kreativität, den eigenen Informationsprozess bewusst und bedarfsgerecht zu gestalten. Für den Recherchierenden ist es nicht mehr problematisch Informationen zu finden, sondern zuverlässige Information aus einer Vielzahl ähnlicher Angebote auszuwählen. Jedes Fach hat seine eigenen Informationsmedien und bestimmte Recherchestrategien, um die fachspezifischen Informationsbedürfnisse zu befriedigen. Das sogenannte "unsichtbare Netz" ("deep web") enthält Informationsquellen, die nicht über die normalen Suchmaschinen erfasst werden. Es umfasst den Inhalt spezieller Datenbanken (z.B. für Patente), Websites, die nur einen Zugriff mit Passwort erlauben oder die nur in Intranets zur Verfügung stehen, aber auch skript-basierte Website, die dynamische Inhalte anbieten.
Es gibt gute Gründe sich im Rahmen der Forschung und wissenschaftlichen Tätigkeit zu informieren und zu lesen: Um Ideen zu bekommen; weil es nötig ist zu verstehen, was andere Forschende in Ihrem Fachgebiet gemacht haben; zur Erweiterung der Perspektive und um die eigene Arbeit im Zusammenhang mit anderen zu sehen (direkte eigene Erfahrung reicht niemals aus); um eigene Argumente zu rechtfertigen; um Ihre Kreativität erhöhen, zur Vermeidung von Doppelarbeit; damit Sie begründet kritisieren können, was andere getan haben; um mehr über Forschungsmethoden und ihre Anwendung in der Praxis zu lernen; um neue Forschungsgebiete zu finden. Vor der Informationssuche denken Sie über Ihr Thema und Ihre spezifischen Informationsbedürfnisse nach, sammeln Sie Hintergrundinformationen und fokussieren Sie Ihr Thema.
TIPP 2: Nutzen Sie Tutorials, Fachportale und Literaturführer als Information über die Suche nach Informationen!
Im Netz existiert eine Vielzahl an Angeboten, die den Ausbau der eigenen Informationskompetenz fördern. DISCUS (Developing Information Skills & Competence for University Students) ist ein Beispiel für ein webbasiertes, zweisprachiges Tutorial zur Informationskompetenz in den Ingenieurwissenschaften, das unabhängig von Zeit und Ort genutzt werden kann. DISCUS wurde an der Universitätsbibliothek der TU Hamburg-Harburg entwickelt. Weitere Beispiele für Tutorials wären das amerikanische Texas Information Literacy Tutorial (TILT) sowie das deutsche LOTSE.
Sogenannte „Fachportale“ oder „Virtuelle Fachbibliotheken“ sind gute Startpunkte um relevante fachspezifische Webseiten zu finden. Zwei Beispiele sind “Intute - the best Web resources for education and research ” und die Virtuelle Fachbibliothek Technik ViFaTec der Technischen Informationsbibliothek (TIB/UB) Hannover. Spezielle Linksammlungen bieten auch Webkataloge wie Yahoo oder das Open Directory Projekt sowie weitere speziellere „subject gateways“ wie das vom “ U.S. National Center for Biotechnology Information”.
Gedruckte Literaturführer geben einen umfassenden Überblick über alle Formen primärer und sekundärer Informationsquellen zum behandelten Fachgebiet. Im Lesesaal der TUHH-Bibliothek stehen diese oft unter der Fachgruppe bei .. A-800, d.h. zur Chemie bei CHA-800, zur Biologie unter BLA-800, usw. Hier einige Beispiele aus mehreren Fachgebieten:
- Fowler, Kristine K: Using the mathematics literature. 2004. Signatur MAA-802
- Goemann-Singer, A., ...: Recherchehandbuch Wirtschaftsinformationen. 2003. Signatur: BUG-743
- MacLeod, Roderick A. ; Corlett, Jim (Ed.): Information sources in engineering. 4. ed. 2005. Signatur: TEA-810
- Maizell, R. E.: How to find chemical information. 1998.Signatur CHA-802
- Moss, R. W.: Strauss's handbook of business information. 2004
- Osif, Bonnie A (Ed.): Using the engineering literature. 2. Aufl. 2012. Signatur TEA-804
- Schmidt, D., ...: Using the biological literature. 2002. Signatur BLA-807
TIPP 3: Nutzen Sie Ihre lokale wissenschaftliche Bibliothek und ziehen Sie einen Informationsspezialisten in einer Bibliothek zu Rate!
Ihre lokale wissenschaftliche Bibliothek, z.B. eine Universitätsbibliothek, kann Ihr Eingangstor in den Informationsdschungel sein. Durchstöbern (Browsing) frei zugänglicher Bestände, um interessante Bücher und Informationen zu finden, kann neue Ideen und Anregungen liefern. Kataloge zeigen den Weg zu allen Beständen (Büchern und Zeitschriften) einer Bibliothek. Auch wenn das Werk, was Sie interessiert, lokal gar nicht vorhanden ist, bieten Bibliotheks-Verbundkataloge Zugang zu Materialien von anderen Bibliotheken, das durch den Service der Dokumentenlieferung und Fernleihe beschafft werden kann. In vielen Ländern gibt es nationale Zentral-Bibliotheken für Natur- und Ingenieurwissenschaften wie in Deutschland die TIB/UB in Hannover. Datenbanken im lokalen Intranet der Bibliothek weisen weitere Informationsmedien, z.B. Zeitschriftenaufsätze, nach.
Bibliothekare und Informationsspezialisten in Bibliotheken helfen und beraten Sie gern bei der Informationssuche.
TIPP 4: Nutzen Sie Enzyklopädien und Nachschlagewerke zur ersten Orientierung!
Zur Orientierung sind Enzyklopädien, Handbücher und ähnliche Nachschlagewerke oft der erste Schritt bei einer systematischen Informations- und Literatursuche. Gerade Enzyklopädien enthalten neben einer ausführlichen Darstellung gesicherten Wissens auch Hinweise auf weiterführende Literatur. Für die Ermittlung von Suchbegriffen, Synonymen und verwandten Begriffen sind Nachschlagewerke unverzichtbar, um ein abgerundetes Suchbegriffs-Diagramm erstellen zu können (siehe Tipp 5). Auch für viele Spezialgebiete gibt es fachspezifische Nachschlagewerke und Enzyklopädien!
Wissenschaftliche Bibliotheken bieten eine Vielzahl solcher Nachschlagewerke in gedruckter Form ihren Kunden in den Lesesälen an. Auch elektronische Versionen werden immer gebräuchlicher.
Einige Beispiele:
- Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry (6.ed., 2002, 40 volumes)
- Encyclopedia of catalysis (ed. I. T. Horváth. 2003, 6 volumes)
- Encyclopedia of ethical, legal, and policy issues in biotechnology” (ed. T. H. Murray, M. J. Mehlman, 2000)
- The optics encyclopedia : basic foundations and practical applications” (2004. 5 volumes)
- The Sage encyclopedia of social science research methods” (2004. 3 volumes)
- Encyclopedia of information systems (2003. 4 volumes)
TIPP 5: Spielen Sie mit Suchbegriffen und erkunden Sie die Recherchemöglichkeiten der Datenbanken (Boole‘sche Logik, Joker-Zeichen, Nachbarschafts-Operatoren, Suchfelder, ...)!
Haben Sie beim Suchen in einer Datenbank auch oft das Gefühl, die Möglichkeiten des Systems nicht richtig zu nutzen? Ständig wechselnde Suchoberflächen verschiedenster Datenbanken zwingen den Suchenden die Datenbanken selbstständig zu erkunden. Suchende müssen mit den Datenbanken spielen, um etwas über ihre Funktionen zu lernen: Wie ist eine logische, sogenannte Boolesche Verknüpfung zwischen Suchbegriffen möglich? Welche speziellen Datenbankfelder sind zur Suche verfügbar, um z.B. nur nach Autoren oder nur in Schlagwörtern zu suchen? Welche Nachbarschafts-Operatoren zur Suche von Begriffen im gleichen Datenbankfeld oder als Phrase direkt nebeneinander sind in der gerade genutzten Datenbank verfügbar? Welche Joker- (Wildcard-) Zeichen? Die letzteren wie ‘?’ oder ‘*’ oder ‘$’ – welches genutzt werden muss, hängt von der spezifischen Datenbank-Oberfläche ab – vereinfachen die Boole’sche „Oder“-Kombination von Suchbegriffen, die mit dem gleichen Wortstamm beginnen, z.B. ergibt die Suche mit ‘biodegr?’ Dokumente, die ‘biodegradation oder biodegradable oder biodegraded oder biodegradability oder ...’ in der Dokumentbeschreibung enthalten.
Wichtig ist zusätzlich der spielerische Umgang mit Suchbegriffen, die Ihr Recherchethema so klar und eng wie möglich beschreiben. Die Auswahl der Suchbegriffe ist mit der wichtigste Schritt im Rechercheprozess. Welche Synonyme, Quasi-Synonyme und verwandten Begriffe (Ober-, Unterbegriffe) sollen berücksichtigt werden? Existiert sogenanntes kontrolliertes Vokabular wie Klassifikationen, Schlagwörter und Deskriptoren oder anderes datenbankspezifische Vokabular wie z.B. Standard-Abkürzungen? Zu allgemeine Suchbegriffe führen zu zu vielen Treffern, von denen nur ein Teil relevant ist; bei der Nutzung zu spezieller Suchbegriffe wird unter Umständen relevantes Material überhaupt nicht gefunden. Beginnen Sie die Suche mit ein oder zwei Stichwörtern und erkunden Sie die Datenbank-Oberfläche durch Ausprobieren und mit Quick & Dirty-Recherchen. Nur so kann man später sicher sein, dass man nicht allzuviel übersehen hat.
Zur Auswahl der Suchbegriffe hilft oft ein sogenanntes Suchbegriffs-Diagramm, das die wichtigsten Komponenten eines Themas herausarbeitet und zu jeder Komponente die Synonyme, verwandten Begriffe, Abkürzungen usw. ermittelt. Bei der Formulierung des Themas hilft es oft, sich vorzustellen, wie ein genau das Thema erfassender Titel eines Aufsatzes lauten könnte.
Beispiel für ein Suchbegriffsdiagramm:
| Thema: Mikrobieller Abbau aromatischer Verbindungen in Böden | ||
|---|---|---|
| Komponente 1 | Komponente 2 | Komponente 3 |
| microbi? degrad? biodegrad? bioremediat? mikrobiol? Abbau? ... | aromat? Benzol? Benzene PAH ... | soil? Boden? Böden? ... |
Füür die Boolesche Suche werden die im Suchbegriffs-Diagramm in den Spalten untereinander stehenden Begriffe mit "oder" und dann die Treffermengen der jeweiligen Spalten mit "und" verknüpft. Klammersetzung ist hier, wenn möglich, sinnvoll, da durch die Rangfolge der Operatoren (Klammerung zuerst, dann UND, dann ODER) das Ergebnis ansonsten verfälscht werden kann:
Komponente 1 UND Komponente 2 UND Komponente 3
wobei z.B. Konzept 1 = (microbi? degrad?) ODER biodegrad? ODER bioremediat? OR ...
Letztlich müssen Sie in jeder Datenbank, die Sie nutzen, neu herausfinden, wie die Verknüpfung mit logischen Operatoren implementiert ist.
TIPP 6: Suchen Sie Zeitschriften-Aufsätze in fachspezifischen Datenbanken!
Aktuelle Forschungsergebnisse werden in der Regel in Nachschlagewerken und Büchern heute nicht mehr veröffentlicht. Hierfür sind weitere fachspezifische sekundäre Informationsquellen, meistens Datenbanken, zu konsultieren, um primäre Quellen wie Zeitschriftenaufsätze, Konferenz-Beiträge, Forschungsberichte, Patente, Dissertationen etc. zu finden.
Um die Volltexte der Zeitschriftenartikel zu bekommen, deren bibliographische Beschreibung Sie in den unten aufgeführten Hinweis-Datenbanken gefunden haben, können Sie die Zeitschrift in Ihrer lokalen Bibliothek ermitteln, den Aufsatz über Dokumentenlieferung bestellen oder – der bequemste Weg – den Artikel elektronisch z.B. als PDF-Datei auf Ihrem Bildschirm lesen. Zum Finden elektronischer Zeitschriften existieren einige Verzeichnisse im Netz, z.B. die deutsche "Elektronische Zeitschriftenbibliothek"“ oder das "DOAJ Directory of Open Access Journals". Die Nutzung normalerweise kommerzieller Hinweis-Datenbanken und der Zugang zum Volltext elektronischer Zeitschriften ist meistens nicht frei möglich, jedoch ist er oft innerhalb der Intranets von Universitäten und Firmen möglich.
TIPP 7: Denken Sie auch an die Suche nach Patenten und Stoffdaten.
Patente sind eine wichtige Informationsquelle, da sie im Forschungsprozess häufig die erste und oft auch die einzige Veräffentlichung darstellen. Man sagt, dass 60 % der Informationen in Patenten nirgendwo anders publiziert werden. Patente enthalten oft sehr umfassende Informationen zur Erfindung., häufig auch viele Literaturhinweise.
Die Nutzung von Patentinformation ist aus rechtlich-wirtschaftlichen Gründen wichtig, um sich vor Verletzungen des Schutzrechts zu schützen oder um die Schutzrechte einer fremden Firma nicht zu verletzen. Es ist mit Patentrecherchen möglich, die Aktivitäten der Konkurrenz zu beobachten oder Markt-Analysen durchzuführen. Durch die Ausnutzung von Patentinformation kann Doppelarbeit in Forschung und Entwicklung vermieden werden. Man kann Ideen für neue Produkte und Anwendungen entwickeln, genaue technische Beschreibungen von Produkten finden bzw. einen Überblick über den State-of-the-Art erhalten. Seien Sie sich aber bewusst, dass umfassende Recherchen nach Patenten aufgrund ihrer Komplexität nur von spezialisierten "Informationsbrokern" gemacht werden sollten.
DEPATISnet, das Deutsche Patentinformationssystem im Internet, enthält kostenfrei die Volltexte z.B. aller deutschen und amerikanischen Patente von Beginn an (ab 1877 bzw. 1790) im PDF-Format. Patente weiterer Länder sind ebenfalls enthalten. Um diese zu erhalten, muss man in der Regel mit der Patent-Nummer danach recherchieren. Dies gilt besonders für die alten Patente. Recherchen in anderen Datenfeldern, wie Titel, Erfinder, Abstract usw. ist nur für Patente ab einem bestimmten Jahrgang möglich. So kann man z.B. für deutsche Patente nach Erfinder und Titel erst ab 1981 recherchieren. Jedes Land bietet durch sein Patentamt Möglichkeiten zur Suche nach nationalen Patenten, oft auch mit deren Volltext, z.B. für US-Patente das "US Patent and Trademark Office".
Die Recherche nach Stoffdaten gestaltet sich häufig sehr schwierig. Selten sind genau die Daten, die man sucht, in den lokal vorhandenen Nachschlagewerken vorhanden oder gar als Stoffdaten im Internet recherchierbar. Auch die Recherche in Aufsatz-Datenbanken führt oft nur durch Zufall zum Ziel, da angegebene Stoffdaten in Aufsätzen selten mitindexiert werden bzw. diese im Rahmen von Aufsätzen in der Regel nur am Rande erwähnt werden.
Stoffdaten für häufig benutzte Stoffe finden sich auch in speziellen gedruckten Nachschlagewerken wie das "CRC handbook of chemistry and physics : a ready-reference book of chemical and physical data" (81. ed., 2000-2001), oder einfach im Katalog der Chemikalienfirma Aldrich. Wichtig sind oft auch Daten zu Eigenschaften und Handhabung von Gefahrstoffen („materials safety data“). Darüber hinaus bieten viele Forschungsbibliotheken im Bereich Naturwissenschaften und Technik umfangreiche gedruckte Nachschlagewerke ("Handbücher") an, deren elektronische Version vielleicht auch in Intranets zur Verfügung steht. Beispiele sind der „Landolt-Börnstein - Numerical data and functional relationships in science and technology”, das „Gmelin Handbook of Inorganic and Organometallic Chemistry” oder das „Beilstein Handbook of Organic Chemistry”. Zur Orientierung und zum Erlernen des Gebrauchs dieser wirklich voluminösen Werke ist es sinnvoll, in die speziellen Literaturführer zur Chemie zu schauen oder sich von einen Informationsspezialisten einer Bibliothek beraten zu lassen.
Beispiele für chemische Stoff-Datenbanken
- Chemspider der Royal Society of Chemistry
- NIST Webbook enthält detaillierte Stoffdaten für viele wichtige Stoffe
TIPP 8: Bewerten Sie Ihre Recherche-Resultate hinsichtlich ihrer Relevanz aber auch hinsichtlich der Qualität der gefundenen Dokumente. Denken Sie über die Verarbeitung der gefundenen Information nach.
Nutzen Sie Literaturverwaltungs-Programme um Gefundenes wieder zu finden und für Ihr persönliches Wissensmanagement!
Nach einer erfolgreichen Suche müssen die gefundenen Resultate hinsichtlich ihrer Relevanz bewertet werden. Bin ich sicher, dass alle potentiell wichtigen Dokumente in meiner Ergebnismenge enthalten sind? Wie muss die Suchanfrage verändert werden, um dies zu erreichen? Wichtig ist aber auch die Qualität der letztendlich gefundenen Dokumente. Wenn das Dokument in einer wissenschaftlichen Zeitschrift mit "Peer Review" veröffentlicht wurde, ist der Artikel vor dem Akzeptieren zur Publikation von unabhängigen Experten begutachtet worden. Wer ist der Autor und aus welchem Umfeld stammt sie oder er? An wen richtet sich das Dokument? Wie aktuell ist es?
Eine Art persönliches Informations-Logbuch, z.B. ein Weblog, eine tagebuchähnliche persönliche Website, kann dabei helfen festzuhalten, wo man welche Information gefunden hat. Beim späteren Zitieren einer Quelle sind genaue Angaben unverzichtbar. Im Falle von Referenz-Datenbanken muss anhand der genauen bibliographischen Angaben (Name des Autors, Titel des Zeitschriften-Aufsatzes, Titel der Zeitschrift, Jahrgang und Volume der Zeitschrift, Seitenzahlen) der Volltext gesucht werden.
Bei der eigentlichen inhaltlichen Verarbeitung der gefundenen Ressourcen kann das Anfertigen von Konzept-Landkarten („Mind-Maps“) oder Karteikarten helfen. Beide sind auch in elektronischer Form sinnvoll zu nutzen. Noch heute ist die Arbeit mit Karteien und Karteikarten durchaus eine sinnvolle Möglichkeit, Informationen, Texte und Lernstoff zusammenzufassen, zu verarbeiten und zu behalten, zwingt doch das Beschriften der Karte zu Systematik und Gliederung sowie zum Erkennen des Wesentlichen.
Die Kommunikation und Präsentation der gefundenen Informationen einschliesslich der eigenen Gedanken und Forschungsergebnisse in Form eines Aufsatzs, eines Vortrags oder Posters auf einer Konferenz oder in einer Lehrveranstaltung, einer Webseite oder einem Buch vervollständigt den Kreislauf der Information. Der gesamte Prozess der Verarbeitung von Information sollte durch ein kritisches Nachdenken über das eigene Informationsverhalten begleitet werden: Kann ich meine Suche noch verbessern? Woran habe ich noch nicht gedacht? Recherchieren ist oft ein iterativer Prozess.
TIPP 9: Halten Sie sich auf dem Laufenden durch Überfliegen der Inhaltsverzeichnisse von Fachzeitschriften, durch Subskribieren von Mailing-Listen und durch das Lesen von Weblogs.
Die meisten Verlage bieten freien Zugang zu den Inhaltsverzeichnissen ihrer Fachzeitschriften an und senden teilweise die Inhaltsverzeichnisse bei einem neu erscheinenen Heft per Mail kostenlos zu. Auch das Abonnieren von Mailinglisten und das Lesen von fachspezifischen Weblogs wie z.B. "Chemical Engineering World" hält Sie auf dem Laufenden. Die Übersicht über Weblogs und andere Informationsangebote behält man - wenn vorhanden - mit RSS Feeds: Beispiel für eine Feedsammlung zu Zeitschriften der Verfahrenstechnik, zu Dokumentenservern sowie zu Weblogs von Bibliotheken und zur wissenschaftlichen Kommunikation.
TIPP am Ende (10): Berücksichtigen Sie informationsethische, politsche und wirtschaftliche Aspekte von Information (geistiges Eigentum, Urheberrecht, Datenschutz, kommerzieller und freier Zugang).
Was ist eine Veröffentlichung, was ein Author, ein Dokument, eine Zeitschrift, eine Sammlung oder eine Bibliothek? In der elektronischen Welt des Internet haben sich die Bedeutung und Nutzung all dieser Begriffe geändert. Es ist notwendig, über Information, ihre Kommunikation und Nutzung nachzudenken. VISION (VIrtual Services for Information ONline), ein Online-Tutorial zum wissenschaftlichen Arbeiten, hilft Ihnen dabei. Fragen des geistigen Eigentums und des Urheberrechts wachsen in einer “Cut-and-paste”-Umgebung. Warum ist es wichtig Informationsquellen zu zitieren? Was ist die richtige Art und Weise des Zitierens? Fragen der Informationsethik (Plagiarismus) und -politik (Eigentum, Zugang, Datenschutz) werden immer wichtiger. Gibt es eine ‚digitale Spaltung‘? Denken Sie an die Bewahrung von Information und die kulturelle Überlieferung. Was wird mit elektronischen Dokumenten in 30 oder 50 Jahren passiert sein?
Trotz des Informationsüberflusses ist nur ein begrenzter Teil frei im Internet verfügbar. Der Zugang zu kommerziellen Informationsquellen für die wissenschaftliche Forschung wie Nachweis-Datenbanken (Abstracts) oder die Volltexte vieler Zeitschriften kann meist nur gegen Zahlung von Lizenzgebühren erfolgen und ist durch Passworte kontrolliert. Aber oft steht der Zugang im Rahmen von Intranets von Universitäten und Firmen offen. Aktivitäten zum generellen "Freien Zugang (Open access)" zu wissenschaftlichen Publikationen zumindest für Forschungs- und Ausbildungszwecke werden immer zahlreicher. Ein Beispiel ist die Zeitschrift "PLOS biology".
Weitere Literaturhinweise und Links
Literaturhinweise
- Blaxter, L., Hughes, C., Tight, M. How to research. 4. ed. Open Univ. Press, Buckingham, 2010.
- Feather, J., Sturges, P. (Eds.) International encyclopedia of information and library science. 2. ed. Routledge, London, 2003.
- Paradis, J. G.. Zimmerman, M.L. The MIT guide to science and engineering communication. 2.ed. MIT Press, Cambridge, Mass., 2002.
- Wagner, B. Finding Physical Properties of Chemicals: A Practical Guide for Scientists, Engineers, and Librarians Science and Technology Libraries, 2001 (published 2003, revised 2009), 21, No. 3/4, 27-45, available online
Links
- Dimensionen der Informationskompetenz
- Online Tutorial TUlib der Universitätsbibliothek der TU Delft. Übersichtlich, knapp, trotzdem umfassend und aktuell!
- Tips for doing research online (Susan Gilroy, Lamont Library, Harvard), verfügbar via Scribd!)
- Mehr über Informationskompetenz
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